Spanische Richterin nennt Eta-Terroristen “Scheißkerle”

November 3, 2011  | by Gülpen Garay

Weinend beschrieb Adoración Zubeldia, Witwe eines von der der baskischen Untergrundorganisation Eta ermordeten Stadtrats, vor Gericht die letzten Lebensmomente ihres Ehemannes: “Das Auto brannte, und mein Mann verbrannte im Inneren.” Die Terroristen hatten den Mann im Jahr 2001 mit einer Autobombe in der nordspanischen Region Navarra getötet.

Doch die mutmaßlichen Täter zeigten selbst vor Gericht keine Reue – für die Schilderungen der Witwe hatten sie nur ein zynisches Lächeln übrig. Richterin Ángela Murillo reagierte darauf am Mittwoch mit den Worten: “Arme Frau … und obendrein lachen diese Scheißkerle noch” – ohne zu wissen, dass das Mikrofon noch eingeschaltet war.
Dieser Ausspruch wurde Murillo beim Prozess gegen Terroristen die vier Angeklagten, darunter der frühere Eta-Militärchef Francisco Javier García Gaztelu alias Txapote, zum Verhängnis: Ihr Kommentar löste einen Sturm der Kritik aus, ihre Unparteilichkeit als Richterin wurde infrage gestellt.

Am Donnerstag kündigte Murillo daraufhin ihren Rückzug aus dem Prozess vor dem zuständigen Gericht in Madrid an. Zur Begründung sagte sie, sie wolle dem Verfahren nicht schaden. Die Richterin sagte, die Verwendung des Wortes “Scheißkerle” sei tatsächlich unglücklich gewesen. Der Vorsitzende des spanischen Parlaments, José Bono, warf ihr zwar vor, einen großen Fehler gemacht zu haben, meinte aber, dass die Richterin genau das gesagt habe, was ganz Spanien glaubt.

Erst kürzlich hatte die Eta nach vier Jahrzehnten Bombenterror der Gewalt abgeschworen. “Die Eta hat entschieden, ihre bewaffnete Aktivität definitiv einzustellen”, hieß es in einer Mitteilung, die die baskische Zeitung “Gara” veröffentlichte. “Im Baskenland beginnen nun neue politische Zeiten. Anstelle von Gewalt und Repression sollen Dialog und Einvernehmen den neuen Zyklus bestimmen.”

Die spanische Regierung ließ offen, ob es nach der Abkehr der Eta von der Gewalt Erleichterungen für inhaftierte Terroristen geben werde. Darüber müsse das neue Kabinett entscheiden, das aus den Wahlen am 20. November hervorgehen werde, sagte Regierungssprecher Blanco.

Euskadi Ta Askatasuna (Baskenland und Freiheit) kämpft seit gut einem halben Jahrhundert für die Gründung eines unabhängigen baskischen Staates. Ihr erstes Attentat verübte sie im Jahr 1968. Seither kamen bei etwa 4000 Terroranschlägen mehr als 830 Männer, Frauen und Kinder ums Leben. 2300 Menschen wurden verletzt. Tausende Politiker, Richter und hohe Beamte im Baskenland mussten von Leibwächtern vor den Terroristen geschützt werden. Das letzte Attentat der Eta liegt zwei Jahre zurück.

Quelle: Spiegel Online

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